CARABALÍ
Medhin Tewolde Serrano, Mexiko / Kolumbien, 2026, Kurzdokumentarfilm
BUCH Medhin Tewolde Serrano | KAMERA Xun Sero | SCHNITT Nicolas Défossé | TON Carlo Massarelli, Martin de Torcy | MUSIK Jose Edier Solís Caicedo | MIT Héctor Marino Carabalí
19 min | Farbe, span. OmeU, DCP
Ein Gemeindeführer aus dem Valle del Cauca, Kolumbien, erhält unzählige Morddrohungen von paramilitärischen Gruppen. Um sein Leben zu retten, muss er seine Gemeinde verlassen – seine Familie, sein Land, alles, was er kennt und liebt. Zurück bleibt eine Lücke, die niemand füllen kann. Im Exil, weit weg von zu Hause, allein und an einem unbekannten Ort, der dem Publikum verborgen bleibt, wird Carabalí von Zweifeln übermannt: War der Kampf das alles wert? Hat er sein Leben für eine Sache geopfert, die vielleicht verloren ist?
Doch gerade aus der Ferne versucht er, den Kontakt zu halten, die Bindungen zu stärken, die ihn seiner Familie, seiner Gemeinde und dem Kampf näherbringen. Die Stimmen seiner Lieben sind es, die ihn in seinem Alltag begleiten, die ihn an sich selbst erinnern und ihm zeigen, dass er nicht allein ist. Aus dieser Spannung zwischen „dort“ – der lebendigen Erinnerung an seine Heimat – und „hier“ – dem unsicheren Raum des Exils – entsteht ein zartes, eindringliches Gewebe aus Sehnsucht, Widerstand und der unbeirrbaren Gewissheit, dass der Kampf weitergehen muss, egal von welchem Ort aus.
Regisseurin Medhin Tewolde Serrano, eine eritreisch-mexikanische Filmemacherin, die sich seit Jahren mit afro-deszendenter Identität und Migration auseinandersetzt, nähert sich ihrem Protagonisten mit großer Sensibilität. Sie verurteilt nicht, sie erklärt nicht, sie beobachtet – und findet in den Bildern eine Sprache für das, was Worte oft nicht fassen können: die Einsamkeit des Exils, die Kraft der Erinnerung und die stille Würde eines Mannes, der nicht aufhört zu hoffen. Ein Film über die unsichtbaren Helden, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um anderen ein würdevolles Dasein zu ermöglichen.
