UNA Y MIL VECES
Ernesto Fontan, Nicaragua / Uruguay / Argentinien, 2024, Dokumentarfilm
BUCH Ernesto Fontan, Marcos Coria, Bruno Scarponi | KAMERA Bruno Scarponi | SCHNITT Sebastián Frota, Ernesto Fontan | TON Julián García Reig | MUSIK Juan D’eramo | MIT Alice Altesor, Ana Elena Gómez Haedo, Ana Olivera Pessano, Daniel Muzio Lladó, Diego Altesor, Enobardo Argimón, Enrique Souto, Fernando Butazzoni, Fernando Mazzeo Sena, Gerardo Caetano, Guillermo Romano, Ivan Altesor, Jorge Selves, José Benigno Cruz, Juan Carlos Gomez Haedo, Marcelo Estefanell, Mayra Pérez Campos, Miguel Ángel Ortiz, Nancy Carbajal, Natasha Soca, Osvaldo Ronqui, Paula Altesor, Víctor Estradet Cabrera
68 min | Farbe, span. OmeU, DCP
Sie waren jung, sie waren Uruguayer, und sie hatten alles verloren: ihre Heimat, ihre Sicherheit, ihre Zukunft. In den 1970er Jahren, als die zivil-militärische Diktatur Uruguay fest im Griff hatte, zwang das Exil Dutzende von Militanten über Argentinien und Chile nach Kuba. Dort, in der Hitze der Karibik und der Kälte des Kalten Krieges, erhielten sie eine politische und militärische Ausbildung. Doch dann geschah etwas, das ihresgleichen sucht: 52 von ihnen entschieden sich, freiwillig und ohne direkten Befehl einer Organisation, nach Nicaragua zu gehen, um sich dem Frente Sandinista de Liberación Nacional anzuschließen und gegen die Diktatur von Anastasio Somoza zu kämpfen. Eine Revolution, die nicht ihre war – und für die einige von ihnen ihr Leben ließen.
Mehr als vier Jahrzehnte später kehrt der Film zu diesen Männern und Frauen zurück. Er lässt sie selbst sprechen, ihre Stimmen, ihre Erinnerungen, ihre Narben. Da ist der Schmerz über den Verlust von Héctor Altesor, genannt „El Meme“, der drei Tage vor dem Sieg der Revolution fiel. Da ist die leise Verwunderung darüber, dass man als einfacher Arbeiter, als Lehrer, als Angestellter plötzlich zum Guerillero wurde. Und da ist diese eine unbequeme Frage, die der Film allen stellt: Würdet ihr es wieder tun? Regisseur Ernesto Fontan sagt selbst, das Bewegendste sei gewesen zu entdecken, dass es sich um eine individuelle und freiwillige Entscheidung handelte, angetrieben von Engagement und Altruismus. Sein Dokumentarfilm ist kein Heldenepos, sondern ein intimes, zutiefst menschliches Porträt einer Generation, die aus einer radikalen Ethik der Solidarität handelte – einer Ethik, die heute fast unvorstellbar erscheint. Zwischen Archivmaterial, Familienfotos und den Gesichtern der Überlebenden entsteht das Bild einer Utopie, die nicht gescheitert ist, sondern nur nicht mehr verstanden wird. Ein Film über Mut, Verlust und die Frage, was von unseren Idealen bleibt, wenn die Welt sich weiterdreht.
