NOS ATRAVIESA UN CUERPO DE AGUA


NOS ATRAVIESA UN CUERPO DE AGUA

Carolina Fung Calvo, Costa Rica, 2025, Kurzfilm
BUCH Carolina Fung | KAMERA Victoria Santamaría | SCHNITT Kaled Torijano | TON Rosa Céspedes, Sebastián Gutiérrez | MUSIK Eduardo Tapia | MIT Mayté Ortega Floris, Teo Yuja
13 min | Farbe, span. OmeU, DCP

Ama hat sich vorgenommen, die Distanz zu überbrücken. Sie organisiert einen Ausflug zu den natürlichen Wasserbecken in der Umgebung – ein Versuch, wieder Zugang zu ihrem jüngeren Bruder Daniel zu finden. Seit sie das Elternhaus verlassen hat, ist zwischen ihnen etwas zerbrochen, das sich mit Worten allein nicht kitten lässt. Vielleicht, so hofft sie, kann das Wasser das schaffen, was die Jahre des Schweigens nicht vermocht haben.

Doch die Stille zwischen den Geschwistern ist trügerisch. Während die Wasseroberfläche sich kräuselt und die Strömung anzieht, geraten auch die Emotionen in Bewegung. Alte Verletzungen steigen an die Oberfläche, unausgesprochene Vorwürfe, die sich über Jahre angestaut haben. Zwischen den Felsen und dem kühlen Nass müssen sich Ama und Daniel den Spannungen stellen, die ihre Familie seit langem zerreißen – und der Frage, ob gemeinsame Erinnerungen stärker sind als die Gründe, die sie getrennt haben.

Regisseurin Carolina Fung Calvo findet in ihrem Kurzfilm eine seltene Balance zwischen Zurückhaltung und Intensität. Das Wasser wird zum stillen Protagonisten: Es trennt und verbindet zugleich, spiegelt und verschluckt, trägt und stößt ab. Ein leiser, eindringlicher Film über Geschwisterliebe, familiäre Brüche und die heilende Kraft eines Ortes, an dem man sich endlich wieder gegenübertreten kann. Die Jury des Shorts Costa Rica Festival würdigte das Werk als ein Universum, „in dem das Sichtbare und das Angedeutete in einem zerbrechlichen Gleichgewicht koexistieren“ – und in dem die Landschaft selbst zu einem aktiven Element wird, das die Geschwister über ihre Entfremdung hinweg miteinander verbindet.