NORHEIMSUND


NORHEIMSUND

Ana Alpizar, Kuba / USA, 2025, Kurzfilm
BUCH, SCHNITT Ana Alpizar | KAMERA Yuqian Zhang | TON Yaser Canals Quintana, Denis Colina | MIT Yaité Ruiz, Paula Massó Varela, Darianis Palenzuela, Kiriam Gutiérrez, Alexandra González Corrales, Elizabeth Castro Cedeño, Isabel Lluis Ibonet, Liliana Bárbara Guevara
12 min | Farbe, span. OmeU, DCP

In einem stickigen Zimmer in Havanna sitzt Yaímita vor ihrem Handy. Auf dem Bildschirm: ein Mann in Norwegen, ein Dorf namens Norheimsund, die Verheißung eines anderen Lebens. Sven ist über sechzig, sie ist Teenagerin. Ihre Mutter Yaíma weiß um den Altersunterschied, doch sie weiß auch, was auf dem Spiel steht: die Möglichkeit, der Armut zu entkommen, die das Leben der beiden seit Jahren bestimmt. Also hilft sie mit, macht Fotos von ihrer Tochter, arrangiert Posen, schmiedet Pläne für eine Zukunft in Europa. Der Traum hat eine Adresse, einen Namen, eine Telefonnummer.

Doch je näher die ersehnte Ausreise rückt, desto deutlicher wird, dass Sven nicht der Mann ist, für den er sich ausgibt. Im Friseursalon des Viertels, wo der Klatsch der Nachbarschaft zirkuliert, erreicht Yaímita eine Warnung: Sie ist nicht die Einzige, die er umwirbt. Und irgendwo in den Erzählungen der Frauen taucht die Legende von einem Mädchen auf, das mit einem Europäer fortging und blind zurückkehrte.

Zwischen den stickigen Straßen von Havanna und den leuchtenden Bildern eines fremden Landes entfaltet sich ein stilles, eindringliches Drama über die Sehnsucht nach einem besseren Leben und den Preis, den sie fordert. Regisseurin Ana Alpizar, die erste kubanische Filmemacherin, die nach Venedig eingeladen wurde, erzählt mit großer Zärtlichkeit und schonungsloser Klarheit von einer Realität, die viele junge Kubanerinnen teilen – und von der Kraft einer Mutter-Tochter-Beziehung, die selbst in aussichtslosen Momenten nicht zerbricht.

Ein Film über Hoffnung, Täuschung und die Frage, wie weit man geht, wenn das eigene Land keine Perspektive mehr bietet.